Inhalt: Der Vorgang des Hebens und Senkens
Der Höhenunterschied von 36 Metern zwischen der unteren, der Oderhaltung und der Scheitelhaltung, dem am höchsten gelegenen Teilstück des Oder-Havel-Kanals, wird in nur 5 Minuten überwunden. Das entspricht einer durchschnittlichen Fahrgeschwindigkeit von 12 cm/s, welche nach etwa 1 Meter Trogfahrt bzw. nach 20 Sekunden erreicht wird. Mit den Ein- und Ausfahrtmanövern benötigt ein Einzelschiff ca. 20 Minuten für die Durchfahrt.
Sehen wir uns jetzt einmal den Vorgang der Hebung eines Schiffes an, das von der Oder kommend in Richtung Berlin fahren will. Dabei laufen nacheinander folgende Vorgänge ab:
- Ausgangsposition: Der Trog befindet sich in unterer Betriebsstellung, fest mit der Kanalhaltung verbunden. Er ist quasi selbst zu einem Stück Kanal geworden. Trogtor und Haltungstor Ost sind in geöffneter Stellung, das Schiff liegt am Startplatz.
- Der Schiffsführer, der bereits vorher über Funk darüber verständigt wurde, dass sein Schiff als nächstes gehoben wird, erhält das grüne Einfahrtsignal. Er legt am Startplatz ab, fährt in den Trog ein und macht an den Pollern fest.
- Durch die Bewegung des einfahrenden Schiffes und durch andere Schiffsbewegungen im Vorhafen können Wasserspiegelschwankungen entstehen. Sind diese abgeklungen, schließt der Trogfahrer per Knopfdruck das Trog- und das Haltungstor.
- Das Spaltwasser zwischen Trog- und Haltungstor wird abgelassen.
- Der Andichtrahmen, der die wasserdichte Verbindung zwischen Kanal und Hebewerkstrog ermöglicht, wird in seine landseitige Stellung zurückgefahren.
- Die mechanische Verriegelung zwischen Trog und Landanschluss wird gelöst. Der Trog hängt jetzt frei an den Seilen und ist fahrbereit.
- Der Umformer wird angelassen und hochgefahren, bis er die zum Betrieb notwendige Gleichstrom-Spannung liefert.
- Nach Ertönen eines Signals setzt sich der Trog nach oben in Bewegung. Die Fahrt dauert rd. 5 Minuten. Während dieser Zeit begibt sich der Trogfahrer vom östlichen an den westlichen Steuerstand.
- Der Trog stoppt nach Erreichen der oberen Haltung mit Hilfe eines Pegel-Ausgleichsystems automatisch ab.
- Der Trog wird mit dem oberen Kanalanschluss mechanisch verriegelt, so dass er nicht mehr pendeln kann.
- Der obere Andichtrahmen wird herangefahren und legt sich gegen den Trog.
- Der Spalt zwischen oberem Haltungstor und Trogtor West wird mit Wasser gefüllt.
- Beide Tore werden hochgefahren, der Trog ist jetzt Teil der Scheitelhaltung geworden.
- Das Schiff erhält "Grün", die Leinen werden gelöst, das Schiff fährt aus, der Vorgang ist beendet.
Beim Abwärtsschleusen wiederholen sich die Vorgänge in umgekehrter Reihenfolge. Beim Durchschleusen eines Schubverbandes, der länger ist als der Trog, treten noch verschiedene Besonderheiten auf. So muss in diesem Fall der Verband entkoppelt werden, das Schubboot verlässt den Trog rückwärtsfahrend. Oben angekommen, müssen die antriebslosen Schubbehälter von einem Treidelhaken übernommen und maschinell aus dem Trog gezogen werden.