Wasserstraßen- und Schifffahrtsverwaltung des Bundes


Wasserstraßen- und Schifffahrtsamt Eberswalde

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Inhalt: Historie

Das Wasserstraßen- und Schifffahrtsamt Eberswalde ist heute eine Unterbehörde des Bundesministeriums für Verkehr und digitale Infrastruktur. Seine Geschichte reicht jedoch bis zum Beginn der Bauarbeiten für den zweiten Finowkanal im Jahr 1743 zurück.

Auf königlicher Order von Friedrich II. (der Große) wurde am 19.07.1743 das Kanalbauamt zur Überwachung der Arbeiten zum Bau des Finowkanals gegründet. Mit der Eröffnung des Finowkanals am 10.06.1746 übernahm die Königliche Wasserbauinspektion die Unterhaltung und den Betrieb der Wasserstraße zwischen Liebenwalde und Oderberg. Der erste Dienstsitz lag an der Schleuse Grafenbrück.

Mit dem Anlegen weiterer Wasserstraßen (Werbellinkanal 1766, Ruppiner Kanal 1786/88, Voßkanal 1880/82, Malzer Kanal 1827/28, Oranienburger Kanal 1832/37) sowie dem mehrfachen Ausbau der Havel nördlich von Liebenwalde mit den angrenzenden Wentow-, Templiner und Lychener Gewässern, vergrößerte sich das Aufgabengebiet der Königlichen Wasserbauinspektion auf 216 km Wasserstraßen.

Am 01.04.1905 beschloss der Preußische Landtag das Gesetz betreffend den Ausbau der Wasserstraßen. Zu den wichtigsten Einzelprojekten dieses Gesetzes zählte damals der Ausbau der Wasserstraßenverbindung Berlin-Stettin. Seine Majestät Wilhelm II., Deutscher Kaiser und König von Preußen, übergab am 17.06.1914 den Großschifffahrtsweg Berlin-Stettin als Hohenzollern-Kanal (heute Oder-Havel-Kanal) dem Verkehr.

Bis zur Abdankung Seiner Majestät lautete die Dienstbezeichnung der Behörde Königliches Wasserbauamt Eberswalde. Von 1918 bis 1928 wurde sie dann in Staatliches Wasserbauamt Eberswalde umbenannt. Von 1928 bis 1939 führte das Amt die Dienstbezeichnung Preußisches Wasserbauamt Eberswalde und ab 1939, als Unterbehörde des Reichsverkehrsministeriums, die Bezeichnung Wasserstraßenamt Eberswalde.

Im Zuge der Bildung eines Volkseigenen Kombinates Binnenschiffahrt und Wasserstraßen wurden die Wasserstraßenämter auf dem Territorium der ehemaligen DDR zum 01.01.1980 aufgelöst. Wegen des Vier-Mächte-Status von Berlin blieb lediglich das Wasserstraßenhauptamt Berlin erhalten. Die fiskalischen Aufgaben für den Bereich der Märkischen Wasserstraßen (außer Berlin) wurden dem neu gegründeten VEB WBU Eberswalde (Volkseigener Betrieb Wasserstraßenbetrieb und -unterhaltung) übertragen. Die Wahrnehmung der wasserstraßenbezogenen hoheitlichen Aufsichts- und Kontrollfunktionen wurde für das gesamte Territorium der DDR in einem Wasserstraßenaufsichtsamt der DDR (WSAA) mit Dienstsitz in Berlin gebündelt.

Auf dem Gebiet der Bundesrepublik Deutschland blieben die Wasserstraßenverwaltungsstrukturen des ehemaligen Reichsverkehrsministeriums weitgehend erhalten. In Vorbereitung des Beitritts der DDR zur Bundesrepublik Deutschland verfügte der letzte Verkehrsminister der DDR (im Einvernehmen mit dem Bundesminister für Verkehr) eine Neuorganisation der Wasserstraßenverwaltung der DDR zum 30.08.1990. Damit wurden das Kombinat Binnenschifffahrt und Wasserstraßen sowie das Wasserstraßenaufsichtsamt der DDR aufgelöst und die Organisation zur Eingliederung in das Bundesministerium für Verkehr vorbereitet.

Nach Artikel 13 Abs. 2 des Einigungsvertrages vom 31.08.1990 unterstehen die Wasser- und Schifffahrtsverwaltungen und die zugehörigen Behörden der ehemaligen DDR, mit Wirkung vom 03.10.1990, dem Bundesminister für Verkehr. Für die Binnenwasserstraßen auf dem ehemaligen Territorium der DDR wurde nun die neu gegründete Wasser- und Schifffahrtsdirektion Ost mit sechs nachgeordneten Wasser- und Schifffahrtsämtern verantwortlich. Dem Wasser- und Schifffahrtsamt Eberswalde wurde ein Amtsbereich zugeordnet, der heute 659 km Bundeswasserstraßen und sonstige Binnenwasserstraßen des Bundes in Ostbrandenburg und Südmecklenburg-Vorpommern umfasst. Dazu gehören die Hauptwasserstraßen Havel–Oder–Wasserstraße (HOW), Müritz–Havel–Wasserstraße (MHW), Obere Havel–Wasserstraße (OHW), Oder und Westoder. Mit dem am 10.06.1746 eröffneten Finowkanal betreibt das WSA Eberswalde heute die älteste, noch durchgehend befahrbare künstliche Wasserstraße in Deutschland.

Mit Inkrafttreten des WSV-Zuständigkeitsanpassungsgesetzes am 1. Juni 2016 werden im Wesentlichen die organisatorischen Änderungen im Zuge der Reform der Wasser- und Schifffahrtsverwaltung des Bundes nachgezeichnet. Es werden Zuständigkeiten und Behördenbezeichnungen angepasst. Die "Wasser- und Schifffahrtsverwaltung des Bundes" wird in "Wasserstraßen- und Schifffahrtsverwaltung des Bundes" umbenannt. Die Behördenbezeichnung wird entsprechend angepaßt und lautet zunächst Wasserstraßen- und Schifffahrtsamt Eberswalde.

Das heutige Wasserstraßen- und Schifffahrtsamt Eberswalde ist wahrscheinlich die älteste ohne Unterbrechung an einem Ort tätige staatliche Wasserbaubehörde in Deutschland. Als Leiter der vorgenannten wasserbaulichen Verwaltungseinrichtung waren von der Gründung des damaligen Kanalbauamtes bis zum heutigen Wasserstraßen- und Schifffahrtsamt eingesetzt:

1743 - 1746 Oberbaudirektor Kemmeter
1746 - 1754 Ingenieur u. Feldmesser Schuhmann
1754 - 1764 Daniel Sucrow
1764 - 1768 Baukondukteur Prollius
1768 - 1795 Baukondukteur Hentschel
1795 - 1816 Wasserbauinspektor Leiber
1816 - 1827 Wasserbauinspektor Schmid
1827 - 1860 Wasserbauinspektor Blankenstein
1860 - 1875 Wasserbauinspektor Wohlbrück
1875 - 1894 Wasserbaurat Thiem
1894 - 1895 Wasserbaurat Tolkmitt
1895 - 1906 Wasserbaurat Elze
1906 - 1913 Wasserbaurat Zillich
1913 - 1916 Regierungs- und Baurat Haeseler
1916 - 1923 Regierungs- und Baurat Aefke
1923 - 1930 Regierungs- und Baurat Siebenhüner
1930 - 1933 Regierungs-und Baurat Werner
1933 - 1937 Regierungs- und Baurat Steude
1937 - 1941 Regierungs- und Baurat Dr.-Ing. Schumacher
1941 - 1943 Regierungs- und Baurat Bormann
1943 - 1945 Regierungs- und Baurat Petschke
1945 Bau.-Ing. Denker
1945 - 1947 Dipl.-Ing. Sihler
1947 - 1948 Bau.-Ing. Bsdock
1948 - 1950 Karl Beischau
1950 - 1976 Bau.-Ing. Berg
1976 - 1986 Bau.-Ing. Wodarz
1986 - 1990 Dipl.-Ökonom Lassen
1990 - 1991 Baudirektor Landgrebe
1991 - 2000 Dr.-Ing. Christian Straube
2000 - 2007 Baudirektor Rolf Dietrich
2008 - 2015 Leitender Baudirektor Hans-Jürgen Heymann
seit April 2015 Baudirektor Friedrich Peter Münch