Wasserstraßen- und Schifffahrtsverwaltung des Bundes


Wasserstraßen- und Schifffahrtsamt Eberswalde

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Inhalt: Instandsetzungsmaßnahme an der Oder bei Reitwein (Stand: Januar 2018)

Die Oder ist im Bereich der Grenze zu Polen weitgehend mit Stromregelungsbauwerken in Form von Buhnen befestigt. Bei Reitwein (Od-km 604,6–605,5) wurde am deutschen Ufer eine Buhnengruppe infolge langjähriger militärischer Übungen massiv geschädigt. Die hydraulische Wirksamkeit des Regelungssystems ist nicht mehr gegeben. Es kommt zu Sedimentablagerungen im Fahrwasser. Aufgrund der hieraus resultierenden Fehltiefen stellt dieser Bereich eine Schwachstelle für die gesamte Schifffahrt, aber auch eine erhöhte Gefahr für Eisversetzungen und Eisstau dar.

Das Wasserstraßen- und Schifffahrtsamt Eberswalde setzt nun die Instandsetzung der Regelungsbauwerke um. Dazu wurden von der Bundesanstalt für Wasserbau zahlreiche mögliche Varianten mit verschiedenen Modellen untersucht. Ziel ist es, die Regelungsfunktion und damit die ehemals vorhandenen Wassertiefen wieder herzustellen. Alternativ zur Wiederherstellung der Buhnen (quer zur Strömung) kann dies auch durch die Errichtung eines Parallelwerks in Fließrichtung erreicht werden. Im Ergebnis der Umweltverträglichkeitsprüfung des Planfeststellungsverfahrens ist die Errichtung eines gegliederten, hinterströmten Parallelwerkes als Vorzugslösung festgelegt worden.

Bei dieser Bauweise werden die ökologisch wertvollen Strukturen im Uferbereich weitgehend erhalten und tragen dauerhaft zur Verbesserung der Strukturvielfalt bei.

Ende 2014 wurde das Vorhaben mit Planfeststellungsbeschluss der Generaldirektion Wasserstraßen und Schifffahrt genehmigt.

Als vorgezogene Ausgleichsmaßnahme wurden bereits 2015 zwei Regelbuhnen oberhalb des Baufeldes zu Kerbbuhnen umgebaut. Diese ermöglichen eine Hinterströmung des Buhnenfeldes ab Mittelwasser. Ziel ist es die Strömungs- und Strukturvielfalt in diesem Bereich zu erhöhen und damit die Buhnenfelder ökologisch aufzuwerten.

Die Unterlagen des Planfeststellungsverfahrens mit Umweltbezug finden Sie unter den angegebenen Links:

Aufgrund der starken Belastung aus der militärischen Nutzung sind im Vorfeld der Maßnahme, aber auch baubegleitend, Kampfmittelbergungen durchzuführen.

 

Umsetzung der Baumaßnahme

Der Bauauftrag für die Kampfmittelräumung und die Errichtung der Bauwerke wurde an die Firma Ingenieur Wasser und Tiefbau GmbH, Frankfurt (Oder) vergeben. Baubeginn war am 03.04.2017.
Lesen Sie hierzu die Pressemitteilung vom 11.04.2017: "Neue Bauweisen an der Oder"

In den folgenden Wochen und Monaten wurden Zwischenlagerflächen in zwei Buhnenfeldern sowie ein Teil der Bauabschnitte von Kampfmittelverdachtspunkten beräumt. Bei einem Großteil der zuvor erfassten Verdachtspunkte handelte es sich um Schrott. Es wurden jedoch auch diverse Kampfmittel wie Patronenhülsen, Hand- und Wurfgranaten, Panzerfäuste und Minen geborgen und vernichtet. Zweimal musste die Wasserstraße gesperrt werden, um Sprengungen vorzunehmen.

Hohe Strömungsgeschwindigkeiten haben dazu geführt, dass die Kampfmittelräumarbeiten deutlich länger dauern als geplant. Inzwischen wurde eine zweite Räumfirma hinzugezogen, um die Arbeiten zu beschleunigen. Sobald die Oder vereist, müssen die Arbeiten unterbrochen werden und können erst im Frühjahr fortgesetzt werden.

Lageplan mit Bezeichnung der Bauwerksteile
Bild 1: Lageplan mit Bezeichnung der Bauwerksteile

Im Sommer konnten bei günstigen Wasserständen zwei Buhnen instand gesetzt und ein erstes Parallelwerk-Segment errichtet werden. Bild 2 zeigt die Arbeiten zur Herstellung der Pflasterabdeckung an der Kerbbuhne, die sich unterstrom des Parallelwerks befindet. Oberhalb des zukünftigen Einlaufbauwerkes wurde eine zweite Buhne repariert.

Buhne 605/09
Bild 2: Buhne 605/09

Bild 3 zeigt das fertig gestellte Parallelwerk-Segment Nr. 5 sowie die Kerbbuhne. Beide Bauwerke sind bei Wasserständen knapp unter Mittelwasser zwar nur als schmale Streifen sichtbar, wirken aber bereits strömungslenkend. Zurzeit laufen die Arbeiten zur Herstellung des 2. Parallelwerk-Segments. Je nach Witterungsbedingungen ist auch hier absehbar, dass die Arbeiten sobald Eisgang einsetzt unterbrochen werden müssen.

Buhne 605/09 und Parallelwerk-Segment Nr. 5
Bild 3: Buhne 605/09 und Parallelwerk-Segment Nr. 5

Aus Naturschutzgründen ist grundsätzlich eine Baurichtung gegen die Strömung vorgegeben. Diese Vermeidungsmaßnahme trägt dazu bei, den Lebensraum des Baltischen Goldsteinbeißers wirksam zu schützen. Das baubegleitende Fischmonitoring bestätigt, dass die Baumaßnahmen bisher zu keiner wesentlichen Beeinträchtigung der lokalen Fischgemeinschaft geführt haben.

 

Literaturtipp:

Ausführliche Informationen zur Bauweise alternativer Buhnenformen finden Sie unter:
https://www.schweizerbart.de/publications/detail/isbn/9783510653270/Alternative_Buhnenformen_in_der_Elbe_K