Inhalt: Die Havel-Oder-Wasserstraße
Tipp: Über den Fortgang der Arbeiten können Sie sich in unserem Bildarchiv vom Ausbau der Scheitelhaltung, Los G1 informieren!
Die Havel-Oder-Wasserstraße (HOW) als Teil der Verkehrsverbindung Berlins mit dem Seehafen Stettin und dem Wirtschaftsgebiet der Oder und der Ostsee ist als Weiterführung der Wasserstraßenverbindung Hannover-Magdeburg-Berlin in den osteuropäischen Raum von großer verkehrspolitischer Bedeutung. Doch ihre Leistungsfähigkeit entspricht weder heutigen noch künftigen Anforderungen. In den vergangenen 80 Jahren seit der Inbetriebnahme des Kanals haben sich die Schiffstypen verändert. Die langsam fahrenden Schleppverbände wurden von stark motorisierten Einzelfahrern und Schubverbänden bis 135 m Länge und 8,25 m Breite verdrängt. Die aufgrund der ungünstigen Querschnittsverhältnisse hohen Rückstromgeschwindigkeiten führen immer wieder zu erheblichen Schäden an den Ufern und Kanalauskleidungen.
Um größere Schäden zu vermeiden, musste im Bereich mit gedichteten Dammstrecken bereits ein 23 km langer Einrichtungsverkehr zwischen der Abzweigung der Oberen Havel-Wasserstraße bei Kreuzbruch und dem Schiffshebewerk Niederfinow eingeführt werden; Schiffe dürfen sich dort nicht mehr begegnen. Das führt zu langen Wartezeiten und wirtschaftlichen Nachteilen für die Schifffahrt. Um die Dammstrecken langfristig sicher betreiben zu können, ist eine Anpassung an den heutigen Sicherheitsstandard erforderlich.
Neben der Strecke mit Einrichtungsverkehr bildet das
Schiffshebewerk Niederfinow den zweiten Engpass der HOW. Es ist bereits
heute an seiner Leistungsgrenze angelangt. Die
Güterschifffahrt muss dort insbesondere wegen der
zusätzlichen Fahrgast- und Sportbootschifffahrt an den
Wochenenden lange Wartezeiten in Kauf nehmen.

Der Bundesverkehrswegeplan 1992 sieht den Ausbau der HOW von der Schleuse Spandau bis zur Staatsgrenze nach Polen auf einer Länge von rd. 135 km nach westeuropäischem Standard - Wasserstraßenklasse Va mit vorerst eingeschränkter Ausbautiefe - mit einer Investitionssumme von 1,15 Mrd. DM vor. Das bedeutet im einzelnen:
- Streckenausbau auf 3,00 m Wassertiefe für Einzelfahrzeuge bis zu 110m Länge, 11,40 m Breite, 2,20 m Abladetiefe und für Schubverbände bis max. 135 m Länge,
- Bau eines neuen Schiffshebewerkes in Niederfinow,
- Anpassung der Schleuse Lehnitz I,
- Herstellen einer Brückendurchfahrtshöhe von 5,25 m auf gesamter Strecke und
- Verbesserung der Dammsicherheit und der Funktion der Sicherheitstore.
In der Scheitelhaltung zwischen Lehnitz und Niederfinow ist in rd. der Hälfte der Strecke das gesamte Profil mit einer Tondichtung gegen Wasserverluste gesichert. Da der Ausbau dieser Strecken technisch kompliziert und teuer ist, wird dort sofort eine endgültige Wassertiefe von 4,00 m entgegen der vorerst erforderlichen Sohltiefen von 3,00 m hergestellt. Als vorrangig durchzuführende Maßnahmen wurden eingestuft:
- Ausbau der Scheitelhaltung, insbesondere der rd. 28 km langen Dichtungsstrecke und
- Bau eines neuen Abstiegsbauwerkes Niederfinow.
Die Planungen einschließlich Umweltverträglichkeitsuntersuchungen sind in Arbeit. In der Scheitelhaltung ist im Bereich Eberswalde Anfang 1997 mit den ersten beiden Baumaßnahmen begonnen worden:
Nordöstlich von Eberswalde wurde 1998 die Standsicherheit der Dämme in der bis zu 28 m über dem Gelände liegenden Dammstrecke auf rd. 800 m mit Hilfe einer Kernspundwand und Sickerwasserdrainage am Dammfuß wiederhergestellt. Mit dem Bau der 5 km weiter westlich gelegenen Ausweichstelle bei Eberswalde, die sich etwa in der Mitte der Einrichtungsverkehrsstrecke befindet, ist die Leistungsfähigkeit dieses Wasserstraßenabschnittes erhöht worden. Die Ausweichstelle hat eine Länge von 1 000 m und wurde auf der Nordseite als Liegestelle mit senkrechtem Ufer und auf der Südseite als Schrägufer ausgebildet.
Die Planungen für das neue Schiffshebewerk Niederfinow sind weiter fortgeschritten. Es wird als Senkrechthebewerk mit Gegengewichten und einem Trog von 120 m Länge und 12,5 m Breite konzipiert und soll zwischen dem vorhandenen Hebewerk und der alten Schleusentreppe entstehen.
Mitte August 1998 ist der parallel zur Havel-Oder-Wasserstraße verlaufende Finowkanal nach sechsjähriger Sperrung wieder für den Verkehr freigegeben worden. Der älteste erhaltene Kanal Deutschlands, er wurde 1620 erstmals eröffnet, ist für Fahrzeuge mit bis zu 1 m Tiefgang wieder durchgehend befahrbar und hat somit seine Attraktivität für die Sport- und Freizeitschifffahrt zurückerhalten.
(Dieser Text ist der Broschüre "Informationen über
Bundeswasserstraßen und Hinweise für die
Sportschifffahrt" entnommen, die von der Wasser- und
Schifffahrtsdirektion Ost im Rahmen der Öffentlichkeitsarbeit
kostenlos herausgegeben wird.)